um zentrale Zukunftsfragen in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Sozialstruktur, Landschaft, Wirtschaft und Tourismus fundiert zu bearbeiten.
Zentrales Element dieses Prozesses war eine breit angelegte Partizipation der Bevölkerung sowie relevanter Akteurinnen und Akteure. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für alle Fachbereiche der Gemeindeentwicklung.
Partizipation im Gemeindeentwicklungsprogramm - Burgstall
Zielsetzung und Methodik
Die Partizipation in Burgstall wurde als übergeordneter Prozess für die gesamte Gemeindeentwicklung konzipiert. Ziel war es, sowohl strategische Zukunftsthemen als auch konkrete Stärken, Schwächen und Handlungsbedarfe aus Sicht der Bevölkerung sichtbar zu machen. Der Beteiligungsprozess umfasste:
- zwei Megatrend‑Workshops mit 43 Teilnehmerinnen und Teilnehmern,
- eine Emotionsbefragung mit 31 Stakeholdern,
- eine Bürgerbefragung aller Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren,
- den kontinuierlichen Austausch mit Fachtechnikern und einer Steuerungsgruppe,
- sowie eine öffentliche Bürgerversammlung.
Insgesamt nahmen 537 Bürgerinnen und Bürger an der Bürgerbefragung teil, was einer sehr hohen Rücklaufquote von 30 % entspricht.
Megatrendworkshops
Im Rahmen der Zukunftsworkshops wurden die globalen Megatrends des Zukunftsinstituts analysiert und in Bezug auf ihre Bedeutung für die Gemeinde Burgstall diskutiert. Besonders relevant wurden die Themen Mobilität, Sicherheit und Urbanisierung eingeschätzt.
Die Diskussionen machten deutlich, dass Burgstall aufgrund seiner Lage zwischen Bozen und Meran zwar verkehrlich sehr gut angebunden ist, gleichzeitig aber stark unter Durchzugsverkehr, hoher Geschwindigkeit und fehlenden sicheren Rad‑ und Fußwegverbindungen leidet. Beim Thema Urbanisierung wurden insbesondere das Fehlen eines klaren Dorfzentrums, ein Mangel an Treffpunkten sowie das Thema leistbarer Wohnraum als zentrale Herausforderungen benannt.
Die Ergebnisse der Megatrendworkshops bilden einen strategischen Orientierungsrahmen für die langfristige Entwicklung von Raum und Lebensqualität in Burgstall.
Emotionsbefragung
Die Emotionsbefragung diente dazu, neben sachlichen Bewertungen auch die emotionalen Grundhaltungen gegenüber dem Lebensraum Burgstall sichtbar zu machen.
Der Pioniergeist der Gemeinde wird vor allem mit der guten Lage, den engagierten Unternehmen, dem aktiven Vereinswesen und dem Zusammenleben der Sprachgruppen verknüpft. Gleichzeitig wirken das fehlende Dorfzentrum, die Verkehrsbelastung, hohe Immobilienpreise und bürokratische Hürden dämpfend auf diesen Gestaltungswillen.
Die Faszination Burgstalls liegt in der Überschaubarkeit des Ortes, der sonnigen Lage, der Landschaft sowie den vielfältigen Freizeit‑ und Erholungsmöglichkeiten. Bremsende Faktoren sind insbesondere schmale Gehwege, unsichere Radverbindungen, der fehlende Ortskern und funktionale Defizite im öffentlichen Raum.
Das Thema Sicherheit wird stark mit sozialem Zusammenhalt, Verkehrssicherheit, Natur‑ und Umweltschutz sowie einer transparenten Verwaltung verbunden. Gleichzeitig wurden Spannungsfelder sichtbar, etwa beim Verkehr, bei Parkplätzen, bei der Bahnentwicklung oder beim Umgang mit Wachstum.
Die Verbindlichkeit zeigt sich im klaren Wunsch nach einem sorgsamen Umgang mit Ressourcen, Infrastruktur und Gemeindefinanzen sowie in einer ausgeprägten Orientierung am Gemeinwohl.
Bürgerbefragung
Die Bürgerbefragung liefert ein differenziertes und belastbares Bild der Lebensqualität in Burgstall. 94 % der Befragten leben gerne oder sehr gerne in der Gemeinde, 89 % möchten auch in Zukunft in Burgstall wohnen.
Besonders positiv bewertet werden unter anderem:
- Nahversorgung,
- Seilbahn Burgstall–Vöran,
- Apotheke,
- Trinkwasserversorgung,
- Vereinswesen und Ehrenamt,
- Natur‑ und Landschaftsqualität.
Deutlich benannt wurden jedoch auch zentrale Handlungsfelder:
- Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer,
- hohe Fahrgeschwindigkeiten und Straßenlärm,
- fehlende Rad‑ und Gehwege,
- leistbarer Wohnraum,
- fehlende Treffpunkte und Angebote insbesondere für Jugendliche.
74 % der Befragten sprechen sich gegen ein weiteres starkes Bevölkerungswachstum aus, unterstützen aber qualitative Verbesserungen der bestehenden Strukturen.
Tourismusentwicklungskonzept (TEK) der Gemeinde Burgstall
Rolle des TEK im Gemeindeentwicklungskonzept
Das Tourismusentwicklungskonzept der Gemeinde Burgstall ist eine eigenständige Fachplanung innerhalb des Gemeindeentwicklungskonzeptes Raum und Landschaft. Es basiert auf den Vorgaben des Landestourismusentwicklungskonzeptes Südtirol 2030+ und greift die Ergebnisse der Partizipation gezielt für den Bereich Tourismus auf.
Zentrale Ergebnisse und Tourismussensitivität
Burgstall wird als touristisch entwickelte Gemeinde mit moderater Tourismusintensität eingestuft. Der Tourismus trägt positiv zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Belebung des Ortes bei, ohne derzeit die Belastungsgrenzen zu überschreiten.
Die Tourismus‑Sensitivitätsampel zeigt:
- wirtschaftliche Prosperität: 7,6
- gemeinschaftliche Vitalität: 7,7
- lebendige Atmosphäre: 7,3
- stimmiges Orts‑ und Landschaftsbild: 7,6
- leistbares Wohnen: 6,4
- vertretbare Verkehrsbelastung: 7,0
62 % der Bevölkerung sprechen sich für ein weiteres – überwiegend nachhaltiges und maßvolles – Tourismuswachstum aus, 53 % sehen mehr Vorteile als Nachteile durch den Tourismus.
Strategische Ausrichtung
Das TEK verfolgt keinen quantitativ orientierten Wachstumsansatz, sondern setzt auf:
- qualitative Weiterentwicklung bestehender Betriebe,
- Stärkung des Zusammenspiels von Tourismus, Lebensraum und Landwirtschaft,
- Förderung der sanften Mobilität,
- gezielte Maßnahmen zur Ganzjahresdestination,
- sowie eine langfristige Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz.
Ein zusätzlicher Bedarf von rund 150 Gästebetten wird als fachlich begründet angesehen, sofern dieser ausschließlich in bestehenden Betrieben und unter Berücksichtigung raumordnerischer und sozialer Rahmenbedingungen realisiert wird.