Gargazon setzt bei der Weiterentwicklung des Lebens‑ und Wirtschaftsraums konsequent auf Beteiligung, Qualität und Nachhaltigkeit.
Partizipation im Gemeindeentwicklungsprogramm - Gargazon
Die Gemeinde Gargazon setzte im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms bewusst auf einen mehrstufigen Partizipationsprozess, um die Sichtweisen der Bevölkerung, lokaler Akteure und Entscheidungsträger systematisch einzubeziehen. Ziel war es, sowohl sachliche Einschätzungen als auch emotionale Bedürfnisse und längerfristige Zukunftsvorstellungen sichtbar zu machen.
Ablauf und Beteiligung
Der Beteiligungsprozess bestand aus mehreren aufeinander abgestimmten Formaten:
- Zwei Zukunftsworkshops zu zentralen Megatrends (u. a. Urbanisierung, Mobilität, Silver Society, Neo‑Ökologie) mit insgesamt 34 Teilnehmer:innen aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Zivilgesellschaft.
- Qualitative Emotionsbefragung mit 24 lokalen Stakeholdern, in der zentrale Spannungsfelder, Zukunftsbilder und emotionale Bewertungen der Gemeindeentwicklung erhoben wurden.
- Bürgerbefragung mit 466 teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern ab 14 Jahren. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 31 %. Ein für Gemeinden dieser Größe guter Wert. 62 % der Fragebögen wurden in Papierform, 38 % online ausgefüllt.
- Ergänzend dazu fanden mehrere Treffen mit der Steuerungsgruppe, ein intensiver Austausch mit den Fachplanern sowie eine öffentliche Bürgerversammlung statt.
Diese Kombination ermöglichte sowohl breite Beteiligung als auch eine inhaltliche Vertiefung.
Zentrale Themen und Ergebnisse
Die Auswertungen zeigen ein insgesamt sehr positives Bild, machen aber auch klare Herausforderungen sichtbar.
Stärken der Gemeinde Gargazon:
- Sehr hohe Wohn‑ und Lebensqualität
- Starkes Gemeinschafts‑ und Vereinsleben
- Hohe Identifikation mit Dorf und Landschaft
- Gute Verkehrsanbindung und sehr gute Bewertung von Rad‑ und Fußwegen
- Hohe Wertschätzung von Natur, Grünräumen und Umweltqualität
- Naturbad, Spielplätze und Freizeitangebote als starke Standortqualitäten
Zentrale Herausforderungen:
- Leistbarer Wohnraum: eines der kritischsten Themen, insbesondere für junge Menschen und Familien
- Fehlende Nahversorgung und Gastronomie im Dorfzentrum
- Belebung des Ortskerns und Vermeidung der Entwicklung zu einem reinen „Schlafdorf“
- Fehlende Angebote und Treffpunkte für Jugendliche
- Teilweise Defizite bei der Integration neuer Mitbürger:innen
Megatrends und Zukunftsfragen
In den Zukunftsworkshops kristallisierten sich folgende Megatrends als besonders relevant für Gargazon heraus:
- Urbanisierung und Dorfentwicklung
- Mobilität und Erreichbarkeit
- Alternde Gesellschaft (Silver Society)
- Neo‑Ökologie und nachhaltige Entwicklung
- Individualisierung und Veränderung sozialer Strukturen
Diese Trends wurden jeweils im Hinblick auf Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken diskutiert und bilden eine wichtige Grundlage für die räumliche und thematische Weiterentwicklung der Gemeinde.
Emotionen, Identität und Spannungsfelder
Die Emotionsbefragung zeigt Gargazon als engagierte, lebendige Gemeinde mit starkem Zusammenhalt. Gleichzeitig wurden zentrale Spannungsfelder benannt:
- Zusammenhalt vs. sozialer Rückzug
- Aktives Dorfleben vs. Abwanderung der Jugend
- Wachstumschancen vs. Angst vor Qualitätsverlust
- Vertrautheit („man kennt sich“) vs. zunehmende Anonymität
Diese emotionalen Aspekte flossen bewusst in die weiteren Planungsschritte ein und ergänzen die rein statistischen Auswertungen.
Ein zusammenfassendes Ergebnisdokument steht hier zum Download bereit: DOWNLOAD
Tourismusentwicklungskonzept (TEK) der Gemeinde Gargazon
Einordnung und Zielsetzung
Das Tourismusentwicklungskonzept der Gemeinde Gargazon wurde als integrierender Teil des Gemeindeentwicklungsprogramms Raum und Landschaft erarbeitet und orientiert sich am Landestourismusentwicklungskonzept Südtirol (LTEK 2030+).
Ziel des TEK ist es, den Tourismus so weiterzuentwickeln, dass er:
- zur Belebung des Dorfes beiträgt,
- wirtschaftliche Impulse setzt,
- gleichzeitig aber Lebensqualität, Landschaft und sozialen Zusammenhalt schützt.
Die Analyse zeigt, dass Gargazon zwar als touristisch entwickelte Gemeinde eingestuft wird, die tatsächliche Tourismusintensität jedoch unter dem Landesdurchschnitt liegt. Daraus ergibt sich ein bewusst gestaltbarer Entwicklungsspielraum.
Zentrale strategische Schwerpunkte des TEK
Innerhalb der landesweit vorgegebenen strategischen Fokusfelder wurden für Gargazon folgende Entwicklungslinien herausgearbeitet:
Lebensraumgemeinschaft
Tourismus wird als Mitgestalter eines lebendigen Dorfes verstanden. Eine maßvolle Entwicklung soll insbesondere die Nahversorgung, das gastronomische Angebot und das Dorfzentrum stärken – zum Nutzen von Einheimischen und Gästen.
Tourismus und Landwirtschaft
Die starke landwirtschaftliche Prägung Gargazons wird als authentische Stärke gesehen. Regionale Produkte, kurze Wertschöpfungsketten und Kooperationen zwischen Betrieben bilden einen zentralen Zukunftsanker.
Alpine Gesundheit und Naturerlebnis
Mit Naturbad, Apfellehrpfad, Naherholungszonen und der Nähe zu Meran besitzt Gargazon hervorragende Voraussetzungen für gesundheits‑ und naturorientierte Angebote.
Alpine Landschaft und Mobilität
Die qualitative Weiterentwicklung von Wegen, Freiräumen und nachhaltiger Mobilität (ÖPNV, Rad‑ und Fußwege, Seilbahnanbindung) ist wesentlich für die Akzeptanz weiterer Entwicklungen.
Ganzjahresdestination
Durch sanfte Angebote in der Vor‑ und Nachsaison – insbesondere im Bereich Natur, Bewegung, Genuss und Kultur – soll die Wertschöpfung breiter über das Jahr verteilt werden.