In der Stadtgemeinde Glurns wurde im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms ein mehrstufiger Partizipationsprozess durchgeführt, der Politik, Stakeholder und Bevölkerung aktiv eingebunden und klare Entwicklungsschwerpunkte sichtbar gemacht hat.
Partizipation in der Stadtgemeinde Glurns
Für die Stadtgemeinde Glurns haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogrammes umgesetzt. Ziel war es, gesellschaftliche Wahrnehmungen, emotionale Zukunftsbilder und konkrete Sachthemen zusammenzuführen und damit eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Politik und Planung zu schaffen.
Den Auftakt bildeten zwei Megatrendworkshops mit Mitgliedern des Gemeinderates sowie ausgewählten Stakeholdern der Stadtgemeinde. Nach einer Einführung in die globalen Megatrends wurden jene Entwicklungen identifiziert, die für Glurns künftig als besonders prägend eingeschätzt werden. Besonders stark diskutiert wurden Themen wie Mobilität, Gesundheit, Nachhaltigkeit und das Spannungsfeld zwischen historischem Stadtkern und moderner Nutzung. Die priorisierten Megatrends wurden anschließend in einer SWOT‑Analyse auf ihre Chancen, Risiken, Stärken und Schwächen für Glurns hin untersucht.
Im Anschluss nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer Emotionsbefragung teil. Anhand von Emotionspaaren wie Hoffnung / Angst, Stolz / Scham oder Freude / Leid wurde ein emotionales Zukunftsbild der Stadtgemeinde entworfen. Dabei zeigte sich deutlich, dass Glurns einerseits stark von Gemeinschaft, Identität und historischer Einzigartigkeit geprägt ist, andererseits aber auch mit Themen wie Abwanderung junger Menschen, Verkehrsbelastung und leistbarem Wohnraum konfrontiert ist. Diese Spannungsfelder wurden als zentrale Herausforderungen für die zukünftige Entwicklung sichtbar.
Auf Basis dieser qualitativen Vorarbeiten und im engen Austausch mit den Technikern wurde ein strukturierter Fragebogen für eine Bürgerbefragung ausgearbeitet. Diese richtete sich an alle Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren und wurde sowohl in Papierform als auch online angeboten. Insgesamt beteiligten sich 260 Personen, was einer Rücklaufquote von rund 33 % entspricht – ein für Gemeindebefragungen sehr solider Wert. Rund 70 % der Fragebögen wurden in Papierform ausgefüllt, 30 % online.
Die Auswertung ging dabei bewusst über bloße Durchschnittswerte hinaus. Neben der Bewertung auf einer Skala von 5 bis 10 wurde analysiert, wie viele Höchst‑ und Tiefstbewertungen vergeben wurden, bei welchen Themen Unsicherheiten bestanden, und wie sich die Ergebnisse nach Ortsteilen, Alter, Geschlecht, Haushaltsgröße und Bildungsgrad unterscheiden. Gerade für Glurns lieferten diese Differenzierungen wertvolle Hinweise, etwa zu unterschiedlichen Wahrnehmungen des Verkehrs, der Wohnsituation oder der touristischen Entwicklung innerhalb und außerhalb der Stadtmauern.
Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderates vorgestellt. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitsdokumente und Zwischenergebnisse wurden der Stadtgemeinde und den beteiligten Technikern vollständig zur Verfügung gestellt und bilden die Grundlage für die weiteren Planungsschritte.
Zusätzlich wurde ein zusammenfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD