Partizipation in Graun

Wie kann eine weitläufige, peripher gelegene Gemeinde ihre Lebensqualität sichern und gleichzeitig Zukunftschancen aktiv nutzen?

In der Gemeinde Graun wurde im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms ein umfassender Partizipationsprozess durchgeführt, der Politik, Stakeholder und Bevölkerung stark eingebunden und klare inhaltliche Schwerpunkte sichtbar gemacht hat.

Partizipation in der Gemeinde Graun

Für die Gemeinde Graun haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogrammes umgesetzt. Ziel des mehrstufigen Prozesses war es, die besonderen räumlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Gemeinde fundiert abzubilden und sowohl qualitative wie quantitative Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.

Den Auftakt bildeten zwei Megatrendworkshops mit Mitgliedern des Gemeinderates sowie ausgewählten Stakeholdern. In diesen Workshops wurden die globalen Megatrends analysiert und auf ihre konkrete Relevanz für die Gemeinde Graun heruntergebrochen. Als besonders zukunftsprägend wurden dabei unter anderem die Themen Gesundheit, Mobilität, Nachhaltigkeit und Arbeitsmodelle (New Work) identifiziert. Diese Megatrends wurden anschließend in einer SWOT‑Analyse vertieft, um Chancen, Risiken, Stärken und Schwächen für die Gemeinde systematisch zu erfassen.

Im nächsten Schritt folgte eine Emotionsbefragung, an der sich zahlreiche Entscheidungsträger und Stakeholder beteiligten. Anhand von Emotionspaaren wie Hoffnung / Angst, Stolz / Scham oder Freude / Leid wurde ein emotionales Zukunftsbild der Gemeinde Graun entworfen. Besonders deutlich zeigte sich dabei ein starker Pioniergeist, die hohe Identifikation mit der Gemeinde sowie die enge Verbundenheit mit der Natur. Gleichzeitig wurden aber auch Spannungsfelder sichtbar – etwa zwischen Entwicklung und Ressourcenschonung, Tourismus und Lebensqualität, leistbarem Wohnen und steigenden Immobilienpreisen sowie den Chancen und Risiken der peripheren Lage der Gemeinde.

Auf Basis dieser qualitativen Vorarbeiten und im engen Austausch mit den Technikern wurde ein strukturierter Fragebogen für eine Bürgerbefragung ausgearbeitet. Diese richtete sich an alle Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren und wurde sowohl in Papierform als auch online angeboten. Insgesamt nahmen 892 Personen an der Befragung teil, was einer sehr hohen Rücklaufquote von 43 % entspricht. Rund 64 % der Fragebögen wurden auf Papier ausgefüllt, 36 % online.

Die Auswertung der Bürgerbefragung ging bewusst über reine Durchschnittswerte hinaus. Neben der Skala von 5 (sehr niedrig) bis 10 (sehr hoch) wurde analysiert, wie viele Höchst‑ und Tiefstbewertungen vergeben wurden, bei welchen Themen Unsicherheiten oder Polarisierungen bestanden, und wie sich die Ergebnisse nach Ortsteilen, Alter, Geschlecht, Haushaltsgröße und Bildungsgrad unterscheiden. Gerade für eine flächenmäßig große Gemeinde mit mehreren Fraktionen lieferten diese Differenzierungen wichtige Hinweise. Etwa zu unterschiedlichen Wahrnehmungen von Verkehr, Wohnsituation, öffentlicher Erreichbarkeit oder der zukünftigen Entwicklung der einzelnen Ortsteile.

Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderates sowie in weiteren Abstimmungen präsentiert und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitsdokumente und Zwischenergebnisse wurden der Gemeindeverwaltung und den beteiligten Technikern vollständig zur Verfügung gestellt und bilden eine belastbare Grundlage für die weiteren Schritte im Gemeindeentwicklungsprogramm.

Zusätzlich wurde ein zusammenfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD