Partizipation in Laas

Wie kann eine historisch gewachsene Gemeinde mit mehreren Fraktionen die großen Zukunftsfragen von Wohnen, Mobilität und demografischem Wandel bewältigen?

In der Gemeinde Laas wurde ein breit angelegter Partizipationsprozess durchgeführt, der die hohe Identifikation der Bevölkerung zeigt und klare Entwicklungsaufgaben für die kommenden Jahre formuliert.

Partizipation in der Gemeinde Laas

Für die Gemeinde Laas haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms umgesetzt. Laas ist geprägt durch seine mehrgliedrige Gemeindestruktur mit mehreren Fraktionen, eine starke Identität, ein lebendiges Vereinswesen sowie durch das Zusammenspiel aus historischer Bausubstanz, moderner Infrastruktur und regionaler Wirtschaftskraft insbesondere im Bereich Handwerk und Marmorverarbeitung. Ziel des Partizipationsprozesses war es, diese Stärken sichtbar zu machen und gleichzeitig zentrale Herausforderungen gemeinsam zu analysieren und zu strukturieren.

Den Auftakt bildeten zwei Zukunftsworkshops zu den Megatrends mit insgesamt 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik, Verwaltung und relevanten Stakeholder‑Gruppen. In diesen Workshops wurden die globalen Megatrends systematisch auf die Situation der Gemeinde Laas übertragen. Als besonders relevant kristallisierten sich die Themen demografischer Wandel, Ökointelligenz und Urbanisierung heraus, ergänzt durch Gesundheit, Sicherheit und Mobilität. Diese Themen wurden in SWOT‑Analysen vertieft und gemeinsam priorisiert.

Ein zentrales Handlungsfeld ist der demografische Wandel. Während in Laas bereits wichtige Strukturen wie Kita, Kindergarten und Altersheim bestehen, wurde deutlich, dass leistbarer und flexibler Wohnraum für unterschiedliche Lebensphasen fehlt. Sowohl für junge Familien als auch für ältere Menschen bestehen Defizite, insbesondere bei betreutem Wohnen, Treffpunkten und generationenübergreifenden Angeboten. Leerstände im Ortskern und in den Fraktionen werden dabei als großes, bislang nur unzureichend genutztes Potenzial gesehen.

Parallel dazu spielte das Thema Ökointelligenz eine zentrale Rolle. Die Nutzung erneuerbarer Energien, Wasserkraft und Photovoltaik ist in Laas bereits verankert, ebenso der Schutz von Landschaft und Wasser. Gleichzeitig sehen viele Bürger:innen Verbesserungsbedarf bei Grünanlagen, Straßen‑ und Gebäudebegrünung sowie beim bewussteren Umgang mit Ressourcen. Die Stärkung lokaler Kreisläufe, biologische Landwirtschaft und neue Formate wie Repair‑Cafés wurden als konkrete Zukunftschancen benannt.

Die Emotionsbefragung mit 25 Stakeholdern machte einen starken emotionalen Kern sichtbar. Positive Emotionen wie Stolz, Hoffnung, Freude und Mitgefühl speisen sich aus dem hohen Zusammenhalt, dem ausgeprägten Ehrenamt, der aktiven Vereinskultur, der starken Tradition sowie aus der hohen Lebensqualität der Gemeinde. Gleichzeitig wurden klare Sorgen artikuliert: fehlender leistbarer Wohnraum, Verkehrsbelastung, Leerstand im Ortskern, mangelnde Treffpunkte für Jugendliche, Unsicherheit in der medizinischen Versorgung sowie soziale Spannungen zwischen Fraktionen und Bevölkerungsgruppen.

Die Bürgerbefragung bildete den quantitativen Kern des Partizipationsprozesses. Insgesamt beteiligten sich 977 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren, was einer guten Rücklaufquote von 28 % entspricht. Die Ergebnisse zeigen ein grundsätzlich sehr positives Bild: Die große Mehrheit lebt gerne in Laas und möchte auch künftig in der Gemeinde wohnen. Besonders hohe Bewertungen erhielten Trinkwasserversorgung, Ehrenamt, Vereinswesen, Traditionsbewusstsein, Feste und Veranstaltungen sowie die Kinderbetreuung.

Gleichzeitig bestätigten die Ergebnisse deutlich den Handlungsbedarf in mehreren Bereichen. Besonders niedrig bewertet wurden das Nachtleben und die Treffpunkte für Jugendliche, der leistbare Wohnraum, Angebote für sozial schwache Menschen sowie für Menschen mit Beeinträchtigung. Auch Mobilitätsthemen wie Verkehrssicherheit, fehlende Geh‑ und Radwege, hohe Fahrgeschwindigkeiten und gefährliche Kreuzungen wurden in großer Detailtiefe benannt – mit konkreten Ortsbezügen aus nahezu allen Fraktionen.

Die Auswertung der Bürgerbefragung erfolgte differenziert nach Fraktionen (Laas, Eyrs, Tschengls, Allitz, Tanas, Tarnell, Parnetz), Alter, Bildung und Haushaltsstruktur. Dabei zeigte sich, dass Wahrnehmungen und Prioritäten je nach Lebensphase und Ortsteil deutlich variieren. Insbesondere bei den Themen Wohnen, Mobilität und Infrastruktur. Diese Differenzierungen liefern eine wertvolle Grundlage für eine räumlich und sozial ausgewogene Weiterentwicklung der Gemeinde.

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Siedlungs‑ und Ortsentwicklung. Während ein Teil der Bevölkerung weiteres Wachstum kritisch sieht, spricht sich die Mehrheit klar für eine gezielte Innenentwicklung, die Nutzung und Sanierung von Leerständen sowie für maßvolle Wohnbauzonen in einzelnen Fraktionen aus. Spekulationen und nicht bedarfsgerechter Neubau werden dabei als Risiko für Zusammenhalt und Leistbarkeit wahrgenommen.

Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer öffentlichen Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitsdokumente und Zwischenergebnisse wurden der Gemeindeverwaltung und den beteiligten Fachstellen vollständig zur Verfügung gestellt und bilden eine fundierte Grundlage für die weiteren Schritte im Gemeindeentwicklungsprogramm.

Zusätzlich wurde ein umfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD