Partizipation in Mals

Wie kann eine große, vielschichtige Gemeinde mit zahlreichen Fraktionen gemeinsam Zukunft gestalten?

In der Gemeinde Mals wurde im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms ein breit angelegter Partizipationsprozess umgesetzt, der eine außergewöhnlich hohe Bürgerbeteiligung erzielte und zentrale Entwicklungsfragen differenziert sichtbar machte.

Partizipation in der Gemeinde Mals

Für die Gemeinde Mals haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogrammes durchgeführt. Als bevölkerungsreiche und räumlich stark gegliederte Gemeinde mit mehreren Fraktionen stellte Mals besondere Anforderungen an den Partizipationsprozess. Ziel war es, sowohl übergeordnete Themen als auch fraktionsspezifische Herausforderungen fundiert abzubilden und in eine gemeinsame strategische Perspektive zu überführen.

Den Auftakt bildeten drei Megatrendworkshops mit Mitgliedern des Gemeinderates sowie ausgewählten Stakeholdern. Dabei wurden die globalen Megatrends systematisch auf ihre Bedeutung für Mals übertragen. Als besonders maßgeblich kristallisierten sich die Themen Urbanisierung, Mobilität, Neo‑Ökologie, Gesundheit sowie New Work heraus. Diese Schwerpunkte wurden anschließend mithilfe von SWOT‑Analysen vertieft, um Chancen, Risiken sowie strukturelle Stärken und Schwächen der Gemeinde sichtbar zu machen.

Ergänzend dazu wurde eine umfassende Emotionsbefragung mit Entscheidungsträgern und Stakeholdern durchgeführt. Anhand von Emotionspaaren wie Hoffnung / Angst, Stolz / Scham oder Freude / Leid wurde ein emotionales Zukunftsbild der Gemeinde entwickelt. Dabei zeigte sich in Mals ein stark ausgeprägter Pioniergeist, getragen von einem lebendigen Vereinswesen, hoher Heimatverbundenheit, guter Bildungs‑ und Sportinfrastruktur sowie einer aktiven Beteiligungskultur. Gleichzeitig wurden zentrale Spannungsfelder deutlich, etwa rund um Mobilität und Verkehr, leistbaren Wohnraum, Energieerzeugung vs. Landschaftsschutz, die Pestiziddiskussion sowie Fragen der ärztlichen Versorgung und Altersstruktur. Themen, die in einer großflächigen Gemeinde mit vielen Fraktionen unterschiedlich wahrgenommen werden.

Auf Basis dieser qualitativen Vorarbeiten und in enger Abstimmung mit den Technikern wurde ein detaillierter Fragebogen für eine Bürgerbefragung ausgearbeitet. Diese richtete sich an alle Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren und wurde sowohl in Papierform als auch online angeboten. Mit 1.099 ausgefüllten Fragebögen konnte eine sehr hohe Beteiligung erzielt werden, was einer Rücklaufquote von 24 % entspricht. Bemerkenswert ist dabei der hohe Anteil an Papierfragebögen, der eine breite Erreichbarkeit aller Bevölkerungsgruppen sicherstellte.

Die Auswertung der Bürgerbefragung ging weit über einfache Durchschnittswerte hinaus. Neben der Bewertung auf einer Skala von 5 bis 10 wurde analysiert,

  • wie viele Höchst‑ und Tiefstbewertungen vergeben wurden,
  • bei welchen Themen starke Unterschiede oder Unsicherheiten bestanden,
  • und wie sich die Ergebnisse nach Fraktionen, Alter, Geschlecht und Bildungsgrad unterscheiden.

Gerade für Mals lieferte diese differenzierte Betrachtung entscheidende Erkenntnisse, da sich Wahrnehmungen zu Verkehr, Wohnraum, Infrastruktur und Lebensqualität teils deutlich zwischen den einzelnen Ortsteilen unterschieden. Diese Detailtiefe erwies sich als zentrale Grundlage für eine sachliche Diskussion und eine räumlich ausgewogene Weiterentwicklung der Gemeinde.

Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung vorgestellt und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitsdokumente und Zwischenergebnisse wurden der Gemeindeverwaltung sowie den beteiligten Technikern vollständig übergeben und fließen direkt in die weiteren Schritte des Gemeindeentwicklungsprogramms ein.

Zusätzlich wurde ein zusammenfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD