In der Marktgemeinde Prad wurde ein breit angelegter Partizipationsprozess durchgeführt, der eine starke Identifikation der Bevölkerung zeigt und klare Entwicklungsleitlinien für die Zukunft formuliert.
Partizipation in der Marktgemeinde Prad
Für die Marktgemeinde Prad haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms umgesetzt. Prad ist ein bedeutendes Zentrum im oberen Vinschgau, geprägt von seiner Rolle als Wohn‑, Arbeits‑ und Versorgungsstandort, einer hohen Familienfreundlichkeit, guter Infrastruktur sowie einer strategisch wichtigen Lage an zentralen Verkehrsachsen. Ziel des Partizipationsprozesses war es, das dynamische Wachstum der Gemeinde aktiv zu begleiten und gemeinsam tragfähige Perspektiven für eine ausgewogene, zukunftsfähige Entwicklung zu erarbeiten.
Den Auftakt bildeten zwei Zukunftsworkshops zu den Megatrends mit insgesamt 43 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik, Verwaltung und zentralen Stakeholder‑Gruppen. Dabei wurden die globalen Megatrends auf die Situation von Prad übertragen. Als besonders relevant kristallisierten sich die Themen Mobilität, Gesundheit und Urbanisierung heraus, ergänzt durch Sicherheit und demografischen Wandel. Diese Schwerpunkte wurden in SWOT‑Analysen vertieft und strukturiert weiterbearbeitet.
Ein besonders zentrales Thema ist die Mobilität. Prad verfügt bereits über ein funktionierendes Citybusnetz, Rad‑ und Fußwege sowie erste Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Gleichzeitig wird der Durchzugsverkehr als massive Belastung für das Ortszentrum wahrgenommen. Überfüllte Busse und Züge zu Stoßzeiten, unsichere Übergänge und unzureichende Beleuchtung wurden ebenso genannt wie der Wunsch nach einer Umfahrung, intelligenter Verkehrslenkung und einer Stärkung alternativer Mobilitätsformen. Die Elektrifizierung der Bahnlinie wird dabei als große Zukunftschance gesehen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Gesundheit. Während Apotheke, Arztpraxen, Krankenhaus Schlanders, Rettungsdienste und soziale Angebote eine solide Basis bilden, wurden lange Wartezeiten, bürokratische Hürden und die wachsende Belastung durch Bevölkerungszuwachs kritisch angesprochen. Die Bevölkerung wünscht sich innovative Lösungen wie Gemeinschaftspraxen, Telemedizin und eine stärkere Verzahnung von Gesundheits‑, Sozial‑ und Präventionsangeboten.
Die Emotionsbefragung mit 34 Stakeholdern zeigte einen starken emotionalen Kern. Positive Emotionen wie Stolz, Hoffnung und Mitgefühl speisen sich aus dem hohen Zusammenhalt, dem lebendigen Vereinswesen, der Familienfreundlichkeit, vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten sowie den Natur‑ und Naherholungsräumen. Gleichzeitig traten deutliche Sorgen zutage: Verkehr, Wohnraummangel, steigende Lebenshaltungskosten, soziale Spannungen, fehlende Perspektiven für Jugendliche sowie Unsicherheiten im Umgang mit Wachstum und knappen Ressourcen.
Die Bürgerbefragung bildete den quantitativen Kern des Prozesses. Insgesamt beteiligten sich 850 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren, was einer guten Rücklaufquote von 26 % entspricht. Die Ergebnisse zeigen ein sehr positives Bild: Die große Mehrheit lebt gerne in Prad und möchte auch künftig hier wohnen. Besonders hoch bewertet wurden Traditionsbewusstsein, Ehrenamt, Vereinsleben, Natur‑ und Landschaftsqualität, Trinkwasserversorgung, sowie zentrale Infrastrukturen wie Bibliotheken, Energiewerk und Naherholungszonen.
Gleichzeitig bestätigten die Ergebnisse klaren Handlungsbedarf. Besonders niedrig bewertet wurden das Nachtleben für Jugendliche, der leistbare Wohnraum, Angebote an Bars und Restaurants sowie fehlende Treffpunkte. Auch Sicherheitsthemen, Verkehrssituation im Ortskern und der Umgang mit Leerstand wurden vielfach genannt. Die Wohnraumanalyse zeigt deutlich: Während die Wohnqualität hoch ist, bleiben leistbare Angebote insbesondere für junge Menschen knapp.
Die Auswertung erfolgte differenziert nach Ortsteilen (Prad, Lichtenberg, Berghöfe), Alter, Bildung und Haushaltsform. Dabei zeigte sich, dass Wachstum und Verkehr in allen Ortsteilen kritisch gesehen werden, während Identifikation mit Gemeinde, Ehrenamt und Vereinswesen flächendeckend sehr hoch ist. Innenentwicklung, Sanierung leerstehender Gebäude und eine gezielte Steuerung der Siedlungsentwicklung wurden deutlich vor neuen großflächigen Wohnbauzonen priorisiert.
Auch die Tourismus‑Sensitivitätsampel bestätigt dieses Bild: Der Tourismus wird insgesamt positiv bewertet und als wirtschaftlicher Faktor anerkannt, gleichzeitig wird ein sensibles Gleichgewicht mit Wohnen, Verkehr und Lebensqualität eingefordert. [
Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer öffentlichen Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitspapiere und Anhänge wurden der Gemeindeverwaltung vollständig zur Verfügung gestellt und bilden eine fundierte Grundlage für die weiteren Schritte im Gemeindeentwicklungsprogramm.
Ein umfassendes Ergebnisdokument steht hier zum Download zur Verfügung: DOWNLOAD