Partizipation in Schlanders

Wie kann eine Marktgemeinde ihre Dorfseele bewahren und gleichzeitig zentrales wirtschaftliches und gesellschaftliches Zentrum der Region bleiben?

In der Marktgemeinde Schlanders wurde im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms ein breit angelegter Partizipationsprozess durchgeführt, der zentrale Zukunftsfragen mit hoher Beteiligung der Bevölkerung sichtbar gemacht hat.

Partizipation in der Marktgemeinde Schlanders

Für die Marktgemeinde Schlanders haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms umgesetzt. Als wirtschaftliches, schulisches und medizinisches Zentrum des oberen Vinschgaus kommt Schlanders eine besondere Rolle zu. Ziel des Partizipationsprozesses war es daher, die unterschiedlichen Erwartungen an eine Marktgemeinde mit dörflicher Identität sichtbar zu machen und in eine gemeinsame Zukunftsstrategie zu überführen.

Den Auftakt bildeten Megatrendworkshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und relevanten Stakeholder‑Gruppen. Dabei wurden die globalen Megatrends gezielt auf ihre Bedeutung für Schlanders übertragen. Als besonders relevant kristallisierten sich die Themen Gesundheit, Silver Society, Mobilität und Urbanisierung heraus. Diese Schwerpunkte wurden anschließend mittels SWOT‑Analysen vertieft, um Chancen und Risiken ebenso wie strukturelle Stärken und Defizite klar herauszuarbeiten.

Ergänzend dazu wurde eine umfassende Emotionsbefragung durchgeführt, um emotionale Zukunftsbilder, Hoffnungen und Sorgen sichtbar zu machen. In den Rückmeldungen zeigte sich ein ausgeprägter Pioniergeist: Viele Bürgerinnen und Bürger sehen Schlanders als potenziellen Vorreiter in den Bereichen Nahversorgung, Bildung, Sport, Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien. Gleichzeitig wurden aber auch deutliche Spannungsfelder sichtbar. So zum Thema leistbaren Wohnraum, Abwanderung junger Menschen, Geschäftsschließungen, ärztliche Versorgung, sowie den Umgang mit Verkehr, Lärm und Durchzugsverkehr.

Die Bürgerbefragung bildete den quantitativen Kern des Prozesses. Sie richtete sich an alle Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren und wurde sowohl online als auch in Papierform angeboten. Mit 1.438 ausgefüllten Fragebögen wurde eine außergewöhnlich hohe Beteiligung erreicht. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die große Mehrheit lebt gerne in Schlanders und möchte auch künftig hier wohnen. Gleichzeitig bestehen klare Erwartungen an Verbesserungen vor allem in den Bereichen Wohnraum, Mobilität, Klimaschutz, Integration und medizinische Versorgung.

Die Auswertung ging dabei weit über Durchschnittswerte hinaus. Neben der Skala von 5 bis 10 wurden Höchst‑ und Tiefstbewertungen sowie Unterschiede nach Ortsteilen (z. B. Sonnenberg, Göflan, Kortsch, Vetzan), Alter, Bildung und Sprachgruppen analysiert. Gerade für eine Marktgemeinde mit mehreren Fraktionen und vielfältigen Funktionen erwiesen sich diese Differenzierungen als besonders wertvoll.

Ein zentrales inhaltliches Thema war außerdem die zukünftige Nutzung des Kasernenareals. Die Bürgerinnen und Bürger sehen hier großes Potenzial insbesondere für leistbares Wohnen, Grün‑ und Freiflächen, Bildungseinrichtungen, sowie einen Gründungs‑ und Innovationsstandort. Damit wurde ein klarer strategischer Schwerpunkt für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde sichtbar.

Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer öffentlichen Bürgerversammlung sowie in politischen Gremien vorgestellt und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitsdokumente und Anhänge wurden der Gemeindeverwaltung und den beteiligten Technikern vollständig zur Verfügung gestellt und bilden eine zentrale Grundlage für die weiteren Schritte im Gemeindeentwicklungsprogramm.

Zusätzlich wurde ein zusammenfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD