Partizipation in Terenten

Wie gelingt es einer engagierten Berggemeinde, hohe Lebensqualität zu sichern und gleichzeitig zentrale Herausforderungen gemeinsam anzugehen?

In der Gemeinde Terenten wurde im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms ein breit getragener Partizipationsprozess umgesetzt, der sowohl große Identifikation mit dem Ort als auch klare Handlungsfelder für die Zukunft sichtbar gemacht hat.

Partizipation in der Gemeinde Terenten

Für die Gemeinde Terenten haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogramms umgesetzt. Terenten zeichnet sich durch seine sonnige Lage, eine hohe Lebensqualität und ein starkes Gemeinschaftsleben aus. Ziel des Partizipationsprozesses war es, diese Stärken systematisch zu erfassen und gleichzeitig jene Herausforderungen sichtbar zu machen, die für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde von zentraler Bedeutung sind.

Den Auftakt bildeten zwei Megatrendworkshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und relevanten Stakeholder‑Gruppen. Dabei wurden die globalen Megatrends gezielt auf die Situation der Gemeinde Terenten übertragen. Als besonders relevant wurden die Themen Gesundheit, Mobilität, Neo‑Ökologie und Urbanisierung identifiziert. Diese Schwerpunkte wurden anschließend in SWOT‑Analysen vertieft, um Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für die Gemeinde klar herauszuarbeiten. Ein zentrales Thema stellte dabei die gesundheitliche Versorgung dar. Während Sport‑ und Bewegungsangebote sowie Pflegeeinrichtungen vor Ort positiv bewertet werden, wird das Fehlen eines Hausarztes als großes Defizit wahrgenommen. Die Workshops machten deutlich, dass langfristige, auch gemeindeübergreifende Lösungsansätze notwendig sind, um die medizinische Versorgung – insbesondere für ältere und wenig mobile Personen – nachhaltig zu sichern.

Ergänzend dazu wurde eine umfassende Emotionsbefragung durchgeführt. Sie zeigte einen sehr ausgeprägten Pioniergeist, der sich in einer starken Identifikation mit dem Ort, einem lebendigen Vereinswesen und einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Ressourcen widerspiegelt. Viele Bürgerinnen und Bürger sehen Terenten als aktive, zukunftsorientierte Gemeinde, die Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien und innovative Wohn‑ und Mobilitätslösungen bewusst vorantreiben möchte. Gleichzeitig wurden aber auch kritische Spannungsfelder sichtbar: Sorgen um den Zusammenhalt, den Verlust von Treffpunkten im Dorfzentrum, steigende Wohnkosten sowie die zunehmende Verkehrsbelastung entlang der Hauptverkehrsachsen. Auch die Abhängigkeit vom Individualverkehr und fehlende Rad‑ und Gehwege wurden wiederholt thematisiert.

Die Bürgerbefragung bildete den quantitativen Kern des Partizipationsprozesses. Sie richtete sich an alle Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren und wurde sowohl online als auch in Papierform durchgeführt. Insgesamt nahmen 557 Personen teil, was einer sehr guten Rücklaufquote von 37 % entspricht. Die Ergebnisse zeigen eine äußerst hohe Zufriedenheit mit dem Leben in Terenten: Die überwiegende Mehrheit lebt gerne in der Gemeinde und möchte auch künftig hier wohnen. Besonders positiv bewertet wurden das Vereinsleben, die Freizeit‑ und Sportinfrastrukturen, das Ortsbild, die Kinderbetreuung sowie die Qualität der Spielplätze und Bildungsinfrastrukturen.

Gleichzeitig bestätigten die Befragungsergebnisse den Handlungsbedarf in den Bereichen medizinische Versorgung, leistbarer Wohnraum, Mobilität und öffentliche Treffpunkte.

Die Auswertung der Bürgerbefragung ging bewusst über reine Durchschnittswerte hinaus. Neben der Bewertung auf einer Skala von 5 bis 10 wurden Unterschiede nach Fraktionen (Terenten, Pichlern, Margen, Pein, Walderlaner), Alter, Bildungsgrad und Haushaltsgröße analysiert. Diese Differenzierungen lieferten wertvolle Hinweise darauf, wie unterschiedlich Bedürfnisse und Wahrnehmungen innerhalb der Gemeinde ausgeprägt sind. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der zukünftigen Siedlungs‑ und Wohnraumentwicklung. Viele Bürgerinnen und Bürger sprechen sich für neue Wohnbauzonen aus, betonen aber zugleich die Notwendigkeit, Bodenverbrauch zu begrenzen, bestehende Strukturen zu nutzen und leistbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen, um Abwanderung zu verhindern.

Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer gut besuchten Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitsdokumente und Zwischenergebnisse wurden der Gemeindeverwaltung vollständig zur Verfügung gestellt und bilden eine solide Grundlage für die weiteren Schritte im Gemeindeentwicklungsprogramm.

Zusätzlich wurde ein zusammenfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD