In der Gemeinde Unsere Liebe Frau im Walde – St. Felix wurde ein intensiv getragener Partizipationsprozess durchgeführt, der den starken Gemeinschaftssinn bestätigt und zentrale Entwicklungsaufgaben klar benannt hat.
Partizipation in der Gemeinde Unsere Liebe Frau im Walde – St. Felix
Für die Gemeinde Unsere Liebe Frau im Walde – St. Felix haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms umgesetzt. Die Gemeinde ist geprägt von ihrer zweigeteilten Struktur, einer historischen Streusiedlung, hoher Natur‑ und Landschaftsqualität sowie einem ausgeprägten Vereins‑ und Gemeinschaftsleben. Ziel des Partizipationsprozesses war es, diese besonderen Rahmenbedingungen aufzunehmen und gemeinsam Perspektiven für eine nachhaltige, eigenständige Zukunft zu entwickeln.
Den Auftakt bildeten zwei Megatrendworkshops mit insgesamt 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik, Verwaltung und zentralen lokalen Akteuren. Dabei wurden die globalen Megatrends gezielt auf die Situation der Gemeinde übertragen. Als besonders relevant kristallisierten sich die Themen Urbanisierung, Neo‑Ökologie und New Work / Tourismus heraus. In vertiefenden SWOT‑Analysen wurden diese Themen mit Blick auf leistbares Wohnen, Energieversorgung, Tourismusentwicklung und Arbeitswelten konkretisiert. Ein zentrales Thema war die Wohn‑ und Siedlungsentwicklung. Die Streusiedlung, eingeschränkte Baumöglichkeiten und fehlende Wohnbauzonen stellen vor allem für junge Menschen eine große Herausforderung dar. Gleichzeitig ist der Wunsch nach maßvollem Wachstum klar erkennbar: Die Bevölkerung spricht sich für die Schaffung leistbaren Wohnraums, die Nutzung von Leerständen und eine Stärkung der Dorfkerne in beiden Ortsteilen aus – mit dem langfristigen Ziel, die Bevölkerungszahl in den kommenden Jahren moderat zu erhöhen, ohne das Ortsbild zu beeinträchtigen.
Ergänzend dazu wurde eine umfassende Emotionsbefragung durchgeführt. Sie zeigte einen sehr ausgeprägten Pioniergeist, der sich aus starkem Traditionsbewusstsein, aktivem Vereinsleben und hoher Identifikation mit der natürlichen Umgebung speist. Viele Bürgerinnen und Bürger sehen in der Kombination aus sanfter Tourismusentwicklung, lokaler Landwirtschaft, erneuerbaren Energien und Digitalisierung große Chancen für die Zukunft der Gemeinde. Gleichzeitig wurden in der Emotionsbefragung auch klare Spannungsfelder sichtbar: Sorgen um die Abwanderung junger Menschen, die Eigenständigkeit der Gemeinde, fehlende Arbeitsmöglichkeiten vor Ort, ein neu zu erarbeitendes Mobilitätskonzept sowie Herausforderungen in der Alters‑ und Gesundheitsvorsorge wurden offen angesprochen. Besonders das Zusammenwirken der beiden Dörfer wurde als sensibles Thema benannt, das eine kontinuierliche Pflege des Zusammenhalts erfordert.
Die Bürgerbefragung bildete den quantitativen Kern des Prozesses. Insgesamt beteiligten sich 272 Bürgerinnen und Bürger, was einer sehr hohen Rücklaufquote von 41 % entspricht. Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt sehr positives Bild: Die Mehrheit der Bevölkerung lebt gerne in der Gemeinde und möchte auch künftig hier wohnen. Besonders hoch bewertet wurden Natur und Umwelt, Landschaftsbild, Traditionsbewusstsein, Vereinsleben sowie die medizinische Grundversorgung.
Gleichzeitig bestätigte die Befragung den Handlungsbedarf in mehreren Bereichen: Als besonders kritisch wurden leistbarer Wohnraum, fehlende Treffpunkte, Freizeit‑ und Sportangebote, Defizite im Bereich Rad‑ und Fußwege sowie eine teilweise unzureichende öffentliche Verkehrsanbindung bewertet. Auch der Wunsch nach einer stärkeren Beteiligung der Jugend und mehr Angeboten für Menschen mit Beeinträchtigung zog sich durch die Rückmeldungen.
Die Auswertung ging bewusst über Durchschnittswerte hinaus. Unterschiede nach Ortsteil (Unsere Liebe Frau im Walde / St. Felix), Alter und Bildung wurden gezielt analysiert, um unterschiedliche Bedürfnisse sichtbar zu machen. Gerade für eine kleine Gemeinde erwies sich diese Differenzierung als besonders wertvoll, um Maßnahmen passgenau und ausgewogen zu entwickeln.
Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in zwei gut besuchten Bürgerversammlungen vorgestellt und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitsdokumente und Zwischenergebnisse wurden der Gemeindeverwaltung vollständig zur Verfügung gestellt und bilden eine fundierte Grundlage für die weiteren Schritte im Gemeindeentwicklungsprogramm.
Zusätzlich wurde ein zusammenfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD