In der Gemeinde Welschnofen wurde ein breit getragener Partizipationsprozess durchgeführt, der zentrale Spannungsfelder offenlegte und klare Leitlinien für eine zukunftsfähige Entwicklung definierte.
Partizipation in der Gemeinde Welschnofen
Für die Gemeinde Welschnofen haben wir die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms umgesetzt. Welschnofen ist geprägt durch seine Lage im Eggental, eine starke touristische Ausrichtung – insbesondere rund um den Karerpass –, eine hohe landschaftliche Qualität sowie eine klar strukturierte Dorfmitte mit umliegenden Siedlungsbereichen. Ziel des Partizipationsprozesses war es, die hohe Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Lebensraum sichtbar zu machen und gleichzeitig konkrete Antworten auf die wachsenden Herausforderungen der Gemeinde zu erarbeiten.
Den Auftakt bildete ein Zukunftsworkshop zu den Megatrends mit Mitgliedern des Gemeinderates und ausgewählten Stakeholdern. Dabei wurden die globalen Megatrends gezielt auf die Situation von Welschnofen übertragen. Als besonders relevant kristallisierten sich die Themen demografischer Wandel und Mobilität heraus, ergänzt durch Aspekte der Arbeitswelt der Zukunft, Gesundheit und Sicherheit. Diese Schwerpunkte wurden in SWOT‑Analysen vertieft und mit konkreten Handlungsperspektiven hinterlegt. Ein zentrales Handlungsfeld betrifft dabei die Mobilität. Die Gemeinde ist stark vom Durchzugsverkehr geprägt, insbesondere entlang der Romstraße und der Karerseestraße. In den Workshop‑Ergebnissen und späteren Befragungen wurde deutlich, dass der Verkehr in Verbindung mit Lärm, Sicherheitsdefiziten für Fußgänger und Radfahrer sowie Parkplatzproblemen als eine der größten Belastungen für die Lebensqualität wahrgenommen wird. Gleichzeitig besteht ein klares Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger Lösungen, wie einer Umfahrungsstraße, einer Stärkung des öffentlichen Verkehrs, intelligenter Verkehrslenkung sowie dem Ausbau von Rad‑ und Fußwegen.
Ergänzend dazu wurde eine Emotionsbefragung mit Stakeholdern durchgeführt. Sie machte deutlich, dass Welschnofen über einen starken emotionalen Kern verfügt: Stolz auf Natur und Landschaft, ein ausgeprägtes Ehrenamt, lebendige Vereine und das Image als attraktiver Lebens‑ und Tourismusort prägen das Selbstverständnis der Gemeinde. Gleichzeitig wurden Ängste und Sorgen sichtbar. Etwa im Hinblick auf Zweitwohnungen, steigende Wohnkosten, soziale Ungleichheiten, Überalterung sowie die langfristige wirtschaftliche Stabilität kleiner Betriebe.
Die Bürgerbefragung bildete den quantitativen Kern des Partizipationsprozesses. Insgesamt beteiligten sich 652 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren, was einer sehr guten Rücklaufquote von 36 % entspricht. Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt positives Bild: Die große Mehrheit lebt gerne in Welschnofen und möchte auch in Zukunft hier wohnen. Besonders hohe Bewertungen erhielten Natur und Umwelt, Landschaftsbild, Trinkwasserversorgung, Ehrenamt, Vereinsleben sowie zentrale Infrastrukturen wie Apotheke, Schule und Glasfasernetz.
Gleichzeitig bestätigte die Befragung den dringenden Handlungsbedarf beim Thema Wohnen. Sowohl der leistbare Wohnraum als auch der verfügbare Wohnraum zur Miete oder zum Kauf wurden unterdurchschnittlich bewertet. Besonders kritisch wird die Situation für junge Menschen und Familien eingeschätzt. Die Bevölkerung spricht sich klar für die Nutzung und Sanierung leerstehender Gebäude sowie für neue, maßvoll integrierte Wohnbauzonen in Zentrumsnähe aus.
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Jugend. Während das Vereinsleben und sportliche Angebote grundsätzlich geschätzt werden, werden Jugendräume, Treffpunkte und insbesondere das Nachtleben für Jugendliche sehr kritisch bewertet. Dies wird als Risiko für Abwanderung und sozialen Rückzug wahrgenommen und als klares Arbeitsfeld für die zukünftige Gemeindeentwicklung definiert.
Die Auswertung der Bürgerbefragung erfolgte differenziert nach Ortsteilen (Dorfzentrum, Nähe Dorfzentrum, abseits der Dorfmitte, Karersee), Alter, Bildung und Haushaltsstruktur. Diese Differenzierungen zeigten unter anderem, dass Verkehr und Wohnkosten in allen Ortsteilen als problematisch wahrgenommen werden, während die Zufriedenheit mit Natur, Ortsbild und Ehrenamt nahezu flächendeckend hoch ist.
Die Ergebnisse des gesamten Partizipationsprozesses wurden in einer öffentlichen Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert. Sämtliche Detailauswertungen, Arbeitspapiere und Anhänge wurden der Gemeindeverwaltung sowie den technischen Fachstellen vollständig zur Verfügung gestellt und dienen als fundierte Grundlage für die weiteren Schritte im Gemeindeentwicklungsprogramm.
Zusätzlich wurde ein umfassendes Ergebnisdokument erstellt, das hier heruntergeladen werden kann: DOWNLOAD