Öffentliche Sicherheit wird meist anhand von Anzeigen, Delikten und Einsatzstatistiken bewertet. Was dabei oft fehlt, ist die Perspektive der Menschen selbst: Wie sicher fühlen sie sich im Alltag? Wo entstehen Unsicherheiten – und warum? Genau hier setzt das Südtiroler Sicherheitsbarometer an.
Ziel war es nicht, polizeiliche Statistik zu ersetzen, sondern sie um eine systematisch erhhobene Wahrnehmungsebene zu ergänzen – differenziert, nachvollziehbar und für politische wie administrative Entscheidungen nutzbar.
Methodik: Sicherheit als subjektive, aber messbare Größe
Ein zentrales methodisches Prinzip des Sicherheitsbarometers 2025 war die klare Trennung zwischen objektiver Sicherheitslage und subjektivem Sicherheitsempfinden. Statt punktueller Meinungsabfragen wurde ein mehrstufiges Studiendesign entwickelt, das Unterschiede nach Lebensrealitäten sichtbar macht.
Kernpunkte der Methodik
Repräsentative Stichprobe
1.500 Personen ab 15 Jahren aus ganz Südtirol, quotiert und gewichtet nach
- Bezirksgemeinschaften
- Sprachgruppen
- Altersgruppen
- Geschlecht
(Grundlage: ASTAT)
Hybrides Erhebungsdesign
Kombination aus
- telefonischen Interviews (CATI)
- Online-Befragung über den Südtirol Panel
Dadurch konnten sowohl digital affine als auch schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden.
Bewertungsskala 5–10
Bewusst wurde das in Südtirol vertraute italienische Schulnotensystem verwendet.
Vorteile:
- hohe Verständlichkeit
- geringe Abbruchquoten
- feinere Differenzierung statt Ja/Nein-Logik
Analytische Tiefenschärfe
Neben Mittelwerten wurden konsequent Medianwerte, Extrembewertungen (5 und 10), sowie Subgruppen („Breaks“) ausgewertet, um Polarisierung und Verzerrungen sichtbar zu machen.
Dieses methodische Setup stellt eine hohe Qualität für das Sicherheitsbarometer sicher und ermöglicht nutzbare Erkenntnisse für Praxis, Verwaltung und Politik.
Ergebnisse: Wo Sicherheit hoch ist – und wo sie brüchig wird
Statt einer bloßen Ergebnisauflistung wurde im Sicherheitsbarometer bewusst nach Zusammenhängen gesucht.
Einige zentrale, zusammenfassende Erkenntnisse:
Hohes Sicherheitsgefühl im privaten Raum: In der eigenen Wohnung und im direkten Wohnumfeld fühlen sich die meisten Menschen sehr sicher. Insbesondere tagsüber.
Deutliche Brüche im öffentlichen Raum: Das Sicherheitsgefühl sinkt spürbar in den Abend- und Nachtstunden, an Verkehrsknotenpunkten, auf öffentlichen Plätzen und Haltestellen. Diese Orte werden auch am häufigsten als sogenannte Brennpunkte wahrgenommen.
Starke Unterschiede nach Raumtyp: Menschen im ländlichen Raum fühlen sich deutlich sicherer als jene in urbanen Zentren. Sicherheit ist damit nicht nur eine individuelle, sondern auch eine räumliche Erfahrung.
Erfahrungen prägen Wahrnehmung: Personen, die selbst Opfer einer Straftat wurden, bewerten ihre persönliche Sicherheit durchgehend schlechter. Unabhängig von Alter oder Geschlecht.
Vertrauen als Schlüsselvariable: Unsicherheit entsteht weniger durch einzelne Delikte, sondern durch Misstrauen gegenüber Justiz und Behörden, bzw. die Einschätzung, dass Anzeigen „nichts bringen“. Das Sicherheitsgefühl ist damit eng mit institutionellem Vertrauen verknüpft.
Mehrwert
Warum dieses Instrument strategisch relevant ist Das Südtiroler Sicherheitsbarometer ist kein einmaliger Stimmungscheck, sondern ein steuerungsrelevantes Instrument mit dem Ziel einer regelmäßigen Wiederholung. Es zeigt wo Sicherheit gefühlt wird und warum. Es macht sichtbar, welche Maßnahmen (z. B. Beleuchtung, Präsenz, Prävention) subjektiv tatsächlich Wirkung entfalten. Es erlaubt eine evidenzbasierte Priorisierung von Maßnahmen räumlich und thematisch.
Gerade für ein mehrsprachiges, heterogenes Land wie Südtirol ist diese Perspektive entscheidend, um Sicherheit nicht nur zu kommunizieren, sondern gezielt zu gestalten.
Fazit
Mit dem Südtiroler Sicherheitsbarometer wurde erstmals ein umfassendes Bild der Sicherheitswahrnehmung im Land gezeichnet – methodisch sauber, regional differenziert und praxisnah auswertbar. Sicherheit zeigt sich dabei nicht als starre Kennzahl, sondern als dynamisches Zusammenspiel von Raum, Erfahrung, Vertrauen und gesellschaftlichem Kontext. Genau diese Komplexität sichtbar zu machen, war der Anspruch der Studie – und ihr zentraler Mehrwert.
Download des Südtiroler Sicherheitsbarometers
Südtiroler Sicherheitsbarometer herunterladen
Berichterstattung
Das Sicherheitsbarometer wurde durch das Ressort für Wohnbau, Sicherheit und Gewaltprävention der autonomen Provinz Bozen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wurden durch die Landespresseagentur, die Landesrätin Ulli Mair und das Ressort selbst auf verschiedenen Kanälen veröffentlicht. Die Südtiroler Medienlandschaft hat das Thema breit aufgenommen.
Veröffentlichung Landespresseagentur