Durch einen breit angelegten Beteiligungsprozess und die vertiefte Ausarbeitung eines Tourismusentwicklungskonzepts (TEK) entstand eine gemeinsam getragene Grundlage für die zukünftige Entwicklung von Lebensraum, Landschaft und Tourismus.
Partizipation im Gemeindeentwicklungsprogramm – Villanders
Der Partizipationsprozess in Villanders verfolgte das Ziel, unterschiedliche Sichtweisen der Bevölkerung strukturiert einzubinden und zu einem belastbaren Bürgerkonsens zusammenzuführen. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, sowohl rationale Einschätzungen als auch emotionale Haltungen und lokale Identitäten sichtbar zu machen.
Methodischer Ansatz
Der Beteiligungsprozess basierte auf dem dreistufigen rcm‑Modell Kopf – Herz – Wurzeln und kombinierte:
- Megatrend‑Workshops mit politischen Entscheidungsträgern und lokalen Akteuren,
- eine Emotionsbefragung zur Erfassung von Stimmungen, Spannungsfeldern und Zukunftsbildern,
- sowie eine repräsentative Bürgerbefragung aller Einwohnerinnen und Einwohner ab 14 Jahren.
Mit 394 ausgefüllten Fragebögen konnte ein differenziertes Bild nach Altersgruppen, Ortsteilen und Tätigkeitsbereichen gewonnen werden.
Zentrale Erkenntnisse
Die Ergebnisse zeigen eine starke Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Gemeinde und ihren Besonderheiten. Als besondere Stärken wurden unter anderem genannt:
- die Villanderer Alm als prägendes Landschafts‑ und Identitätselement,
- das ausgeprägte Vereinsleben und Traditionsbewusstsein,
- die hohe Bedeutung von Natur, Ruhe und Landschaftsqualität.
Gleichzeitig wurden auch konkrete Herausforderungen sichtbar, insbesondere:
- Verkehrsbelastung und Gefahrenstellen im Dorfzentrum,
- leistbarer und verfügbarer Wohnraum,
- Angebote für Jugendliche, Barrierefreiheit und Integration.
Emotionale Leitbilder und Spannungsfelder
Die Emotionsbefragung beschreibt Villanders als Gemeinde mit starkem Pioniergeist, hoher Tatkraft und dem Wunsch nach einer ausgewogenen Weiterentwicklung. Gleichzeitig traten typische Spannungsfelder zutage. Etwa zwischen Erholung auf der Alm und Nutzungsdruck oder zwischen Qualitäts‑ und Massentourismus.
Aus allen Prozessbausteinen wurde ein Bürgerkonsens abgeleitet, der zentrale Werte, Prioritäten und Entwicklungsziele zusammenfasst und als Orientierungsrahmen für politische Entscheidungen dient.
DOWNLOAD des zusammenfassenden Dokuments zur Partizipation
Tourismusentwicklungskonzept (TEK) der Gemeinde Villanders
Parallel zum Gemeindeentwicklungsprogramm wurde für Villanders ein Tourismusentwicklungskonzept (TEK) erarbeitet. Dieses ist Bestandteil des Entwicklungsprogramms für Raum und Landschaft und richtet sich konsequent nach den Vorgaben des Landestourismusentwicklungskonzepts Südtirol 2030+ (LTEK).
Strategischer Rahmen gemäß LTEK 2030+
Die strategischen Fokusfelder des LTEK 2030+ – Tourismus und Landwirtschaft, Lebensraumgemeinschaft, Alpine Gesundheit, Alpine Landschaft, Bergmobilität und Ganzjahresdestination – gelten landesweit für alle Gemeinden.
Für Villanders stand daher nicht die Definition neuer Fokusfelder im Vordergrund, sondern die konkrete, gemeindespezifische Ausgestaltung:
- Wie verträgt sich Tourismus mit der sensiblen Hochalm‑Landschaft?
- Welche Entwicklungsformen werden von Bevölkerung und Betrieben unterstützt?
- Wo liegen klare Grenzen, wo sinnvolle Potenziale?
Verzahnung von Datenanalyse und Partizipation
Das TEK stützt sich auf eine Kombination aus:
- der Bürgerbefragung (als Grundlage der Tourismus‑Sensitivitätsampel),
- einer eigenen Befragung der touristischen Betriebe,
- Workshops mit lokalen Akteuren,
- sowie einer detaillierten Analyse touristischer Kennzahlen (Beherbergungsstruktur, Auslastung, Tourism Exposure, Saisonalität).
Diese Ergebnisse wurden stets in Relation zur Größe, Struktur und Tragfähigkeit der Gemeinde interpretiert.
Tourismus‑Sensitivitätsampel als zentrales Steuerungsinstrument
Die Tourismus‑Sensitivitätsampel zeigt für Villanders ein differenziertes Gesamtbild. Der Tourismus wird grundsätzlich positiv wahrgenommen, insbesondere im Hinblick auf Lebensqualität, gemeinschaftliche Vitalität und Landschaftsbild.
Gleichzeitig erreichen die Themen leistbares Wohnen und Verkehrsbelastung kritische Werte. Diese werden von der Bevölkerung jedoch nicht ausschließlich dem Tourismus zugeschrieben, sondern auch der Lage der Gemeinde und strukturellen Rahmenbedingungen.
Tourismus im Einklang mit Landschaft und Lebensraum
Das Tourismusentwicklungskonzept formuliert für Villanders klare Leitplanken:
- Fokus auf Qualität statt Quantität,
- sensible Entwicklung der Villanderer Alm,
- Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Tourismus, Landwirtschaft und Bevölkerung,
- Verbesserung der öffentlichen Mobilität und Besucherlenkung,
- sowie die gezielte Belebung der Neben‑ und Zwischensaisonen.
Damit liefert das TEK eine fachlich fundierte Entscheidungsgrundlage, um touristische Entwicklungen raumverträglich, gesellschaftlich akzeptiert und langfristig tragfähig zu steuern.