Landräume sind Krafträume

Ländlicher Lebens(t)raum im Aufwind

Ländliche Gemeinden mit ihren gewachsenen Dorfzentren und meist eingebettet in malerische Landschaften sind „Resonanzräume“, die Anwohner und Urlaubsgäste gleichermaßen begeistern und motivieren. Sie sind Orte der Begegnung, des bewussten Wahrnehmens und Orte, an denen Erlebnisse geteilt und Erfolge gemeinsam erarbeitet werden können – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen man meinte, in der Stadt sei alles besser. Das ländlich geprägte Leben gewinnt (nicht erst seit den Corona-Maßnahmen) immer mehr an Attraktivität; was auch die stark steigenden Immobilienpreise verdeutlichen. Denn mehr als noch vor einigen Jahren wird das soziale Leben in überschaubaren Strukturen zunehmend als wichtiger Teil der eigenen Lebensplanung verstanden. Im Dorf wird traditionell Nachbarschaft gelebt und gepflegt. Heute ergänzen Interessengemeinschaften gemeinsame Aktivitäten, die über das einstige Bild des Dorflebens hinausgehen. So entwickeln sich Gemeinden von Wohn- und Zweckgemeinschaften zu aktiven Wahl- und attraktiven Wertegemeinschaften.

Arbeiten und lernen – geht überall

Dank schneller Datenverbindungen ist es auch in der Peripherie möglich, auf Innovation und neue Arbeitsformen zu setzen. Eingebettet in die Natur- und Kulturlandschaft, aber nicht mehr abgekoppelt von Wirtschaft und Trends, verfolgt man auch auf dem Land ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Mehr und mehr Menschen suchen aktiv einen Arbeits- und Aktionsplatz, der ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Leben und arbeiten an dem Ort, der einem gefällt, welcher mit hohem Freizeitwert und Lebensqualität punktet, wird immer attraktiver und für viele Realität.

Die dafür notwendigen strukturellen Veränderungen werden akzeptiert und mittlerweile gut vorangetrieben. Auch das Zukunftsthema des lebenslangen Lernens muss an allen Orten – und kann selbstverständlich auch im ländlichen Raum – gelebt und umgesetzt werden. Reisen und Aufenthalte für Seminare und Fachkonferenzen weichen immer mehr den umfassenden Online-Möglichkeiten aus Webinaren, Chat-Diskussionen und Video-Konferenzen. Die Zukunft ist bereits allerorten, auch im tiefsten Tal und auf dem entlegensten Weiler.

Ziel für alle Gemeinden außerhalb der Ballungsräume muss sein, Fortschritt und Innovation zu fördern, weiterzuentwickeln und neue Ideen zuzulassen. Die Vielfalt im Wirtschafts- und Dorfgeschehen begünstigt die ökonomische Resilienz; der wichtigste Faktor für Nachhaltigkeit und Fortschritt. Regionale Kreisläufe werden zunehmend stärker verfolgt, Generationenwissen ist vorhanden und wird wieder genutzt. So stellen wir mit vorhandenen Ressourcen zukunftsorientiert die Weichen. Zudem beweisen innovative Konzepte, dass Unternehmen und Netzwerke mit Standort/en außerhalb der Zentren und Städte überregional und international erfolgreich sein können.

Leben, arbeiten, feiern – Gemeinschaft macht stark

Wenn wir so unsere Heimatliebe auch als wirtschaftlich hohes Gut erfahren und alte Werte mit neuen Handlungen verbinden, können wir Traditionen als belebte Fortführung unserer Geschichte verstehen, die uns in die Zukunft trägt. Gesellschaftlich werden im ländlichen Raum Bräuche schon immer hochgehalten und Feste gemeinsam gefeiert, nun werden auch kulturelle Höhepunkte neu geschaffen. Gegen Anonymität und versteckte Armut ist man in überschaubaren Gemeinden und enger Nachbarschaft besser gewappnet und geht ihnen aktiv entgegen, was zu mehr Lebensqualität und Sicherheit für alle beiträgt. Auf sein Gegenüber wird mehr geachtet – und auch neuen Situationen begegnet man in lokalen Kleinstrukturen mit immer mehr Offenheit und Tatkraft. Die Vielzahl der dörflichen Vereine sind hierbei ideale Orte des Austauschs für funktionierende Integration und Interaktion.

All das sind die Grundlagen, aus denen identitätsstiftende Erlebnisse und Ergebnisse entstehen. Sie sind wichtig für jede Gemeinschaft und jeden Wirtschaftsraum. Aber natürlich gibt es auch Spannungspotenzial: Bezahlbares Wohnen, Fachkräftemangel, steigende Lebenshaltungskosten und eine gute Nahversorgung sind Themen, die heutzutage jeden Gemeinderat und jedes Bürgermeisteramt beschäftigen. Selbstverständlich stellt der demografische Wandel auch auf dem Land eine Herausforderungen dar, diese kann im Dorfleben allerdings leichter bewältigt werden als in der Anonymität der Großstadt. Ein weiterer Pluspunkt.

Wenn es gelingt, die lokalen Kräfte zu bündeln und mit innovativen Aktionsräumen zu versehen, schafft die Gemeinde ihr eigenes zukunftsfähiges Profil.

Machen wir also das Land und seine Gemeinden zu den Gewinnern der kommenden Jahre!

Denn hier möchten wir leben.

 

Der Autor
Christoph Koch
Strategieberater
rcm-solutions

Praxisgerechte Lösungen für flexible Handlungsalternativen.
Strukturierte Prozesse zur erfolgreichen Gemeindeentwicklung.